Süden · Etappe 2 von 10

Etappe 2 - Hachenburg → Wiesbaden

95,8 km
Distanz
05:01 h
Gesamtzeit
1.220 m
Bergauf
1.470 m
Bergab
26
Bilder

Der zweite Tourtag begann so, wie ein guter Urlaubstag beginnen sollte: mit einem ausgiebigen Frühstück im Parkhotel Hachenburg und bestem Ausblick über den Westerwald. Noch einmal Kräfte sammeln, Kaffee nachfüllen und die Beine davon überzeugen, dass sie heute wieder gebraucht würden. Und zwar deutlich länger als am Vortag.

Doch bevor wir Hachenburg verlassen konnten, wartete noch eine besondere Überraschung auf uns. Beim traditionellen Ausrufen der Kirmes bekamen wir eine Rose mit auf die Reise. Kurzerhand wurde sie am Gepäckträger befestigt - und machte dort zunächst eine ausgesprochen gute Figur.

Unsere romantische Reisebegleitung hatte allerdings nicht mit der zunehmenden Hitze gerechnet. Während wir noch munter in die Pedale traten, ließ die Rose schon bald etwas weniger begeistert den Kopf hängen. Schönheit ist eben vergänglich - insbesondere auf dem Gepäckträger eines Tourenrads im Hochsommer.

Damit nicht genug der Hachenburger Traditionen: Am Ortsausgang wurde unsere Reise jäh gestoppt. Kinder hatten kurzerhand die Straße versperrt und verlangten Wegzoll! Was andernorts Anlass zur Sorge gegeben hätte, gehört hier zur Kirmestradition. Der eingesammelte Obolus wandert ins Kirmesgeld. Eine herrlich sympathische Tradition - und gegen Zahlung des geforderten Lösegeldes durften schließlich auch wir passieren.

Hachenburg lag hinter uns und der Westerwaldsteig wies uns den Weg in Richtung Nistertal. Es ging wieder hinein in die weite Landschaft des Westerwaldes, über kleine Straßen und Wege, vorbei an Wiesen, Feldern und Dörfern.

Dann kündigte sich ein Zwischenstopp an, der ganz nach unserem Geschmack war: die Birkenhof Brennerei.

Hier wurde aus der sportlichen Radtour kurzerhand eine kulinarische Bildungsreise. Eine kleine Verkostung durfte natürlich nicht fehlen - schließlich muss man Land und Leute mit allen Sinnen kennenlernen. Und was könnte authentischer sein, als mitten im Westerwald direkt an der Quelle zu probieren?

Gut gelaunt ging es anschließend weiter. Nur die Sonne kannte inzwischen kein Erbarmen mehr. Die Temperaturen stiegen, Schatten wurde begehrter und jeder Fahrtwind war willkommen.

Dafür bot die Landschaft reichlich Abwechslung. Immer wieder zogen leuchtende Sonnenblumenfelder an uns vorbei, und kurz vor Limburg sorgten ausgedehnte Felder mit Nutzhanf für einen etwas ungewöhnlicheren Anblick am Wegesrand.

Dann tauchte schließlich Limburg an der Lahn vor uns auf - und hier war eine längere Pause mehr als verdient.

Die Räder wurden abgestellt und der sportliche Teil vorübergehend gegen Sightseeing und Mittagessen eingetauscht. Natürlich durfte auch der berühmte Limburger Dom nicht fehlen. Während wir historische Mauern und Altstadtatmosphäre genossen, bekamen nebenbei auch die Akkus ihre wohlverdiente Portion Energie.

Hinter Limburg öffnete sich erneut die Weite. Kilometer um Kilometer arbeiteten wir uns weiter Richtung Süden. Die Hitze und die inzwischen stattliche Distanz machten sich bemerkbar, doch irgendwann war Wehen erreicht inkl. Bierstopp.

Mit neuer Motivation nahmen wir anschließend den letzten größeren Abschnitt des Tages in Angriff. Und der hatte noch einmal etwas Besonderes zu bieten: Nach all den Hügeln, Anstiegen und weiten Landschaften ging es endlich hinein in eine herrliche Waldabfahrt Richtung Wiesbaden. Die Räder liefen, der Fahrtwind kühlte und die Kilometer flogen dahin. Ein würdiges Finale für die längste Etappe unserer bisherigen Reise.

Nach stolzen 95,8 Kilometern rollten wir schließlich in Wiesbaden ein und erreichten unser Tagesquartier, den traditionsreichen Schwarzen Bock. Räder abstellen. Gepäck runter. Dusche. Kurze Rast.

Aber wer nun glaubte, wir würden den restlichen Abend mit hochgelegten Beinen verbringen, hatte unser Tourprogramm unterschätzt.

Zu Fuß ging es noch einmal hinaus zum Sightseeing durch Wiesbaden. Vorbei am Stadtschloss und dem Hessischen Landtag führte uns unser Weg hinein in die Altstadt. Markante Häuserzeilen, prächtige Fassaden und belebte Straßen sorgten dafür, dass aus dem geplanten kleinen Rundgang schnell ein ausgiebiger Altstadtbummel wurde.

Und Wiesbaden zeigte uns an diesem Abend, was ein Samstagabend zu bieten hat.

Die Straßen waren voll, aus den Lokalen drang Stimmengewirr, überall saßen Menschen vor Bars und Restaurants und die Stadt war noch lange nicht bereit, schlafen zu gehen. Wir ließen uns treiben, fanden unser wohlverdientes Abendessen und tauchten anschließend noch ein wenig ins Wiesbadener Nachtleben ein.

Nach fast 96 Kilometern auf dem Rad und einigen Metern zu Fuß wurden schließlich aber auch bei uns die Schritte langsamer und wir starteten unsere Nachtruhe.

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