Süden · Etappe 3 von 10
Etappe 3 - Wiesbaden → Heidelberg
Tag 3 begann noch erstaunlich entspannt. Beim Frühstück auf der Außenterrasse konnten wir uns kaum vorstellen, dass vor uns die bislang längste Etappe der Tour liegen sollte. Kaffee, Frühstück, ein Blick in den Himmel - und dann hieß es wieder: Taschen ans Rad und los.
An einer Tankstelle bei der Brita-Arena stand erst einmal etwas Fahrradpflege auf dem Programm. Die Räder wurden vom Staub der vergangenen Tage befreit, die Reifen bekamen ihre verdiente Portion Luft - und ganz nebenbei wurde sogar noch Geld verdient. Ein Passant benötigte ebenfalls Luft und unsere inzwischen professionelle mobile Fahrradwerkstatt konnte aushelfen. Mit sauberen Rädern und prallen Reifen ging es endlich Richtung Rhein.
Dort angekommen zeigte sich der große Strom zunächst erstaunlich ruhig und beinahe leer. Wir folgten ihm bis zur Brücke nach Mainz, überquerten den Rhein und rollten über die Landesgrenze durch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Für großes Sightseeing blieb heute allerdings keine Zeit - Mainz wurde passiert, denn vor uns lagen noch reichlich Kilometer.
Weiter ging es am Rhein entlang Richtung Süden. Der Rhythmus stellte sich ein: treten, rollen, trinken, Kilometer machen. Bei Nierstein veränderte sich langsam die Landschaft. Die ersten Weinhänge tauchten auf und begleiteten unseren Weg - eine schöne Kulisse, während die Sonne immer kräftiger wurde.
In Osthofen legten wir einen besonderen Zwischenstopp ein und besuchten die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Osthofen. Ein stiller, bedrückender und wichtiger Ort, der einen deutlichen Kontrast zu unserer unbeschwerten Reise bildete. Für eine Weile standen nicht Kilometer, Hitze oder das nächste Etappenziel im Mittelpunkt, sondern Erinnerung und Geschichte.
Danach ging es weiter Richtung Worms. Dort warteten wieder der Rhein - und eine deutlich weltlichere Form der Stärkung auf uns. Bei einem Bier und einer Art Brauhaus-Tapas wurden die Energiespeicher aufgefüllt. Ein vollständiges Menü hätte bei den Temperaturen vermutlich ohnehin nur schwer im Magen gelegen. So wurde aus kleinen Happen kurzerhand die perfekte Radlerverpflegung.
Dann wartete eines der kleinen Abenteuer dieses Tages auf uns: die Rheinquerung über die A6-Brücke. Eine Autobahnbrücke gehört sicherlich nicht zu den romantischsten Radwegen Deutschlands - dafür aber zu den eindrucksvolleren. Neben und unter uns Verkehr, dazu der breite Rhein und wir mittendrin auf unseren Rädern. Ein wenig abenteuerlich fühlte sich die Überfahrt durchaus an.
Auf der anderen Seite rückte Mannheim näher. Mittlerweile stand die Sonne hoch, das Thermometer zeigte über 30 Grad und die Kilometer begannen sich langsam in den Beinen bemerkbar zu machen. Mit Einfahrt in das dritte Bundesland auf unserer Reise, Baden-Württemberg, hielten wir zu einem weiteren Bierstopp in Mannheim.
Frisch motiviert ging es vorbei am Carl-Benz-Stadion und weiter Richtung Ladenburg. Inzwischen hatten wir den Rhein hinter uns gelassen und näherten uns dem nächsten Fluss unserer Reise: dem Neckar. In Ladenburg wurde es noch einmal richtig gesellig. Direkt am Neckar legten wir einen Getränkestopp ein, genossen die Stimmung und sammelten Kraft für die letzten Kilometer des Tages.
Weiter ging es am Neckar und Neckarkanal entlang. Die Sonne hatte den ganzen Tag ganze Arbeit geleistet, die Beine hatten weit über hundert Kilometer hinter sich und langsam wurde aus sportlicher Frische ein ziemlich entschlossener Wille, einfach nur noch anzukommen.
Um 20:30 Uhr, nach stolzen 114 Kilometern, erreichten wir unser Tagesziel. Die Temperaturen von über 30 Grad hatten ihren Tribut gefordert. Wir waren müde, verschwitzt und ziemlich erledigt - aber vor allem zufrieden.
Für große kulinarische Experimente fehlten am Abend allerdings sowohl Kraft als auch Geduld. Die Lösung war ebenso einfach wie perfekt: Döner. Manchmal braucht ein Radfahrer eben kein mehrgängiges Menü, sondern einfach etwas Ordentliches auf die Hand.
Ganz ohne einen kleinen Blick auf Heidelberg wollten wir den Tag trotzdem nicht beenden. Also ging es noch auf einen Absacker in die Altstadt. Zwischen den historischen Häusern ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren, bevor schließlich endgültig die Akkus leer waren.