Süden · Etappe 5 von 10
Etappe 5 - Stuttgart → Ulm
Tag 5 begann im rustikalen Charme des Hotels Royal. Nach den schwäbischen Tapas des Vorabends wartete nun wieder ein eher klassisches Frühstück auf uns. Kaffee, Brötchen und alles, was man braucht, um die Beine wieder davon zu überzeugen, dass Radfahren auch heute eine ausgezeichnete Idee sei.
Bevor es richtig losging, bekam auch unser Fuhrpark seine inzwischen fast schon obligatorische morgendliche Radpflege. Ein kurzer Check, ein bisschen Zuwendung für Kette und Technik - und schon waren Mensch und Maschine bereit für die nächste Etappe.
Unser Weg aus Stuttgart führte uns zunächst noch einmal mitten hinein ins Herz der Stadt. Über den Schlossplatz rollten wir hinaus und verabschiedeten uns langsam von der Landeshauptstadt. Zudem fuhren wir nicht direkt Richtung Süden aus der Stadt. Über Bad Cannstatt ging es vorbei an der MHP Arena. Wenig später folgte mit den gewaltigen Mercedes-Werken in Untertürkheim der nächste große Name schwäbischer Ingenieurskunst.
Hinter Stuttgart wurde es zunehmend ländlicher. Industrie und Stadt verschwanden langsam aus dem Rückspiegel und machten Platz für Felder. Und zwar für erstaunlich viel Rotkohl.
Doch hinter all dem Kohl zeichnete sich irgendwann etwas deutlich Eindrucksvolleres am Horizont ab: die Schwäbische Alb. Und mit ihrem Auftauchen wurde uns klar, dass dieser Tag irgendwann noch eine andere Richtung einschlagen würde: Nach oben!
Zunächst erreichten wir das wunderschöne Kirchheim unter Teck. Die historische Innenstadt bot die perfekte Kulisse für einen ausgiebigen Zwischenstopp. Und wie inzwischen bestens eingespielt, wurde die Pause effizient genutzt: Laden und Energie tanken - für Räder und Fahrer gleichermaßen.
Wir nahmen Kurs auf Aichelberg. Die Straße begann zu steigen. Die gemütlichen Kilometer des Vormittags waren endgültig vorbei. Nun hieß es treten, schalten, treten, schwitzen und möglichst nicht zu häufig darüber nachdenken, wie viele Höhenmeter noch fehlten. Dann wartete die Neue Steige. Noch einmal ging es hinauf, Kurve für Kurve, Meter für Meter. Die Schwäbische Alb machte deutlich, dass man ihre Hochfläche nicht geschenkt bekommt. Irgendwann zeigte der Höhenmesser schließlich ungefähr 800 Meter.
Was für ein Kontrast zu den flachen Rhein- und Neckarkilometern der vergangenen Tage. Wir hatten uns hinaufgearbeitet auf die Alb - und damit den härtesten Teil der Etappe geschafft.
Plötzlich wurden aus mühsam erkämpften Höhenmetern pure Belohnung. Durch Wälder und Wiesen ging es hinunter, die Räder liefen und der Fahrtwind übernahm endlich wieder die Kühlung. Die Landschaft öffnete sich und langsam näherten wir uns einem völlig neuen Abschnitt unserer Reise: dem Donautal. Über Blaustein rollten wir weiter Richtung Ulm. Der Kilometerzähler näherte sich unaufhaltsam der 100.
Nach 99,6 Kilometern erreichten wir das Motel One direkt am Münsterplatz in Ulm.
Duschen, kurz durchatmen - und dann ging es zu Fuß noch einmal hinaus. Zunächst zog es uns hinunter zur Donau. Ein neuer großer Fluss auf unserer Reise und gleichzeitig ein schöner Abschluss für eine Etappe, die uns vom Stuttgarter Großstadttrubel über die Schwäbische Alb bis nach Ulm geführt hatte. Anschließend ging es zurück in die Ulmer Altstadt, wo nach knapp hundert Kilometern dringend etwas Ordentliches auf den Teller gehörte. Direkt am imposanten Ulmer Münster herrschte beim Weinfest beste Stimmung. Wo könnte man einen solchen Tourtag besser ausklingen lassen als zwischen Münster, Weingläsern und sommerlichem Abendtreiben?
Und weil nach Wein bekanntlich noch Platz für etwas Anderes ist, folgte zum Abschluss noch ein Cocktail. Spätestens danach waren sämtliche Akkus endgültig leer. Zurück ins Hotel. Bett. Schlafen.