Süden · Etappe 7 von 10

Etappe 7 - Kempten (Allgäu) → Oberstdorf

57,6 km
Distanz
03:15 h
Gesamtzeit
390 m
Bergauf
260 m
Bergab
31
Bilder

Tag 7 begann verhalten. Das Frühstück war maximal Standard. Was an diesem Morgen allerdings gar nicht weiter schlimm war, denn der Hunger hielt sich bei uns ohnehin in überschaubaren Grenzen. Die Allgäuer Festwoche vom Vorabend hatte schließlich ihre Spuren hinterlassen. Die Energiespeicher waren möglicherweise noch gefüllt, nur nicht unbedingt mit den Nährstoffen, die in klassischen Radsport-Ratgebern empfohlen werden.

Entsprechend gemütlich gingen wir den Morgen an. Kein hektischer Aufbruch, kein Kampf um jede Minute. Die heutige Etappe war mit knapp 60 Kilometern schließlich geradezu luxuriös kurz. Also ließen wir uns Zeit. Spät ging es los.

Kempten lag langsam hinter uns und schon bald führte die Route hinauf in die einsame Allgäuer Landschaft. Die Straßen wurden ruhiger, die Häuser weniger und rundherum öffnete sich dieses herrliche Panorama aus grünen Wiesen, Wäldern und Bergen. Nach dem Trubel des Vorabends hätte der Kontrast kaum größer sein können. Dann erreichten wir eine Anhöhe und vor uns lag der Große Alpsee. Tiefblaues Wasser, dahinter die Allgäuer Berge und darüber der sommerliche Himmel.

Was als kurzer Badestopp hätte durchgehen können, entwickelte sich zu einer gut zweistündigen Auszeit. Nach sechs Tagen und mehreren Hundert Kilometern durfte die Tour durchaus einmal zeigen, dass es nicht ausschließlich darum ging, möglichst schnell von Hotel zu Hotel zu kommen. Also ab ins Wasser, schwimmen, in der Sonne liegen, Getränke und Berge anschauen.

Irgendwann mussten wir uns dann doch wieder von unserem Logenplatz am Alpsee trennen. Nach kurzer Weiterreise stand in Immenstadt die Mittagsrast auf dem Programm - und nach dem eher zurückhaltenden Frühstück meldete sich inzwischen auch der Appetit mit Zeit für Allgäuer Schmankerl zurück.

Danach begann der letzte Abschnitt unserer Reise entlang eines inzwischen sehr vertrauten Begleiters. Es ging weiter Richtung Oberstdorf, immer wieder entlang der Iller. Seit Ulm hatte uns dieser Fluss nun fast 150 Kilometer begleitet. Mal direkt neben uns, mal etwas entfernt, durch Wälder, Wiesen und Allgäuer Landschaften. Wir waren ihm Kilometer für Kilometer flussaufwärts gefolgt. Doch heute sollte sich der Kreis schließen. Kurz vor Oberstdorf erreichten wir den Illerursprung, der Ort, an dem die Iller überhaupt erst entsteht.

Klares Wasser, einladend und eiskalt. Genau richtig für uns beide. Der Sprung in das eiskalte Wasser am Illerursprung wurde zum unbestrittenen Highlight des Tages. Für einen kurzen Moment dürfte jeder Muskel vergessen haben, dass er in den vergangenen sieben Tagen ein Fahrrad bewegen musste.

Mit den Bergen nun unmittelbar vor uns rollten wir unserem Tagesziel entgegen. Nach vergleichsweise entspannten 57,6 Kilometern erreichten wir schließlich den Alpenhof Oberstdorf. Eine kurze Etappe auf dem Papier. Aber ein Tag voller Allgäu. Räder abstellen. Dusche. Kurz durchschnaufen.

Und dann ging es noch einmal zu Fuß hinein ins Zentrum von Oberstdorf. Zwischen Bergkulisse und Urlaubsort-Atmosphäre ließen wir den Tag schließlich in der Mühle ausklingen. Einfach zusammensitzen und auf einen Tag zurückblicken, der genau das richtige Tempo gehabt hatte.

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