Süden · Etappe 8 von 10
Etappe 8 - Oberstdorf → Südlichster Punkt (Haldenwanger Eck)
Der achte Tag, der letzte Tag auf dem Rad. Und der Tag, auf den die gesamte Tour zugelaufen war.
Noch einmal begann der Morgen ausgesprochen angenehm. Bei einem gehobenen Frühstück mit Alpenpanorama saßen wir vor einer Kulisse, die kaum deutlicher hätte machen können, wo uns die vergangenen sieben Tage hingeführt hatten. Die Berge lagen direkt vor uns. Und irgendwo dort oben wartete unser finales Ziel. Nach insgesamt mehr als 600 Kilometern hieß es ein letztes Mal aufsatteln! Die Taschen konnten heute leichter bleiben, doch die Vorfreude wog dafür umso schwerer. Bestes Wetter begleitete uns, als wir Oberstdorf hinter uns ließen und zunächst der Stillach folgten. Genau jenem Fluss also, den wir am Vortag noch am Illerursprung kennengelernt hatten.
Die Straße führte hinein ins Rappenalptal. Mit jedem Kilometer rückten die Berge näher zusammen, die Landschaft wurde wilder und das Gefühl stärker, tatsächlich auf dem Weg zum äußersten Zipfel Deutschlands zu sein.
Die Strecke begann anzusteigen. Und sie hörte so schnell nicht wieder damit auf. Meter für Meter arbeiteten wir uns das Tal hinauf. Aus lockerem Rollen wurde konzentriertes Treten, aus Vorfreude zunehmend Schweiß. Rund 700 Höhenmeter mussten wir bis zur Speicherhütte überwinden. Aber selbst dort war noch lange nicht Schluss. Denn irgendwann endete das, was sich sinnvoll mit dem Fahrrad bewältigen ließ. Die Räder mussten zurückbleiben. Vor uns lagen die letzten zwei Kilometer zu Fuß. Vor allem mit rund 350 Höhenmeter zu überwinden.
Die Beine hatten inzwischen acht Tage Radreise hinter sich. Mehr als 650 Kilometer, unzählige Anstiege, Hitze, Waldwege, Flusstäler und Städte. Und jetzt sollten sie uns noch dieses letzte Stück hinaufbringen. Immer höher. Immer weiter nach Süden. Bis er plötzlich vor uns stand. Der Grenzstein auf 1.840 Metern Höhe - Der südlichste Punkt Deutschlands.
Also machten wir uns auf den Rückweg.
Und nach all den Höhenmetern wartete nun endlich die verdiente Belohnung. Bei der Schwarzen Hütte kehrten wir ein und ließen uns eine ordentliche, deftige Brotzeit schmecken. Dazu gab es selbstverständlich ein Weizenbier. In geselliger Runde saßen wir zusammen, ließen den Aufstieg Revue passieren und genossen diesen Moment. Kein Zeitdruck mehr. Kein großes Ziel mehr vor uns.
Ein Tourtag in den Bergen wäre bei uns inzwischen nicht vollständig, wenn nicht noch irgendwo ein Sprung ins Wasser warten würde. Und dafür hatten wir uns den Freibergsee aufgehoben. Erfrischt und ziemlich erfüllt rollten wir schließlich zurück nach Oberstdorf.
Nach weiteren 48,8 Kilometern auf dem Rad erreichten wir wieder unser Hotel. Und weil Wasser an diesem Tag offenbar das Motto war, folgte dort noch ein kurzer Sprung in den Pool.
Und ein letztes Mal gemeinsam hinein ins Zentrum von Oberstdorf. Diesmal musste kein morgiger Tourtag mehr berücksichtigt werden. Keine Kilometer. Keine Höhenmeter. Kein früher Start. Nur noch feiern. Bei dem einen oder anderen Cocktail stießen wir auf den Tag an - und vor allem auf das, was hinter uns lag.