Norden · Etappe 5 von 10
Etappe 5 – Osterholz-Scharmbeck → Glückstadt
Der Morgen begann mit einer Gastgeberin, die uns mit sonderbaren Gesprächen bekehren wollte, uns aber dennoch ein opulentes Frühstück servierte. Wir rollten los, und bald lag ein Duft in der Luft: ein riesiges Feld von Nutzhanf, das wir lachend durchquerten. Ein paar Blüten wanderten heimlich in unsere Taschen – ein kurioses Andenken, welches viele Kilometer auf dieser Etappe seinen Duft versprühte.
Wir durchfuhren Orte mit Namen wie Kuhstedt, die uns zum Schmunzeln brachten. Die Landschaft veränderte sich: noch mehr Felder, dazu Blumenfelder, die in Farben explodierten. Mit jedem Kilometer wurde es nordischer – rote Backsteinhäuser, reetgedeckte Dächer, mehr Wind.
Mit Übergang in den Landkreis Cuxhaven machten wir Halt, tranken ein Astra aus der Dose und sahen, wie die Landschaft immer weiter, immer karger wurde.
Dann kam das Highlight des Tages: Die Elbfähre Wischhafen–Glückstadt. Knapp dreißig Minuten lang standen wir an Deck, ließen uns den Wind um die Nase wehen, tranken Bier und kamen mit Mitreisenden ins Gespräch. Der Blick auf die weite Elbe, Schiffe und Möwen, war ein Moment der Freiheit – Urlaub im Urlaub.
In Glückstadt, gegründet im 17. Jahrhundert vom dänischen König Christian IV. als Gegenstück zu Hamburg, fanden wir die Pension „Best“ direkt am Deich. Nach Dusche und kurzem Verschnaufen setzten wir uns ins „Bistro Nettchen“ – eine gemütliche Hafenlounge. Abendessen auf dem Marktplatz folgte, doch Sonnenstich ähnliche Symptome machten uns matt.
Später fuhren wir noch kurz zur Hafenmole und zurück zur Hafenlounge und nahmen noch (sonnenstichgeplagt teilweise alkoholfreie) Cocktails ein bevor eine Panne am Rad auf dem Weg zur Bettruhe unsere Nacht zunichtemachte: zwei Kilometer Schieben um Mitternacht, begleitet von absurden Telefonaten mit dem Versuch, den Pannenservice für den kommenden Tag schon in Bereitschaft zu versetzen. Denn wir hatten ja noch etwas vor uns. Die Situation blieb ungeklärt, der Schlaf unruhig.